Seen


Seen
Bauboom nahm wenig Rücksicht auf die ursprüngliche Ländlichkeit


Einkaufszentrum Seen

Seen

Wohnblöcke neben alten Bauernhäusern prägen das Bild im Zentrum von Seen.

Das ehemals ländliche Seen wurde von der stürmischen Entwicklung überrannt. Vom ehemaligen Dorf sind nur noch ein paar wenige Häuser übrig geblieben. Der neue Dorfplatz ist ein grosses Einkaufszentrum (Bild links).

Kieche Seen

Die alte Kirche steht etwas abseits auf einem Hügel.

Siedlung Rotenbrunnen

Die am Gartenstadt-Gedanken orientierte Siedlung Rotenbrunnen (1942).

Seen

Einen Obstgarten zur Erinnerung an die bäuerliche Vergangenheit von Seen hat sich eine alte Seemerin ausbedungen, als sie der GAIWO ein Stück Land an der Landvogt-Waser-Strasse für die Realisierung einer Alterssiedlung schenkte.

Zwischen dem Eschenberg und dem Etzberg gelegen, hat sich das ehemalige Bauerndorf Seen zum zweitgrössten Stadtteil Winterthurs entwickelt. Von seiner Ländlichkeit ist ihm, bis auf einige Häuser im ehemaligen Dorfzentrum und dem Kirchhügel (1) nicht viel geblieben. In der Ebene dominieren Wohnblöcke, an den Hängen Einfamilienhäuser, die der Individualität der jeweiligen Besitzerinnen und Besitzer verpflichtet sind. Am Gartenstadtgedanken orientierte Siedlungen, wie sie andere Stadtteile prägen, sind hier eher die Ausnahme. Zum Beispiel die Kolonie «Rotenbrunnen» eine am Krebsbach gelegene Siedlung mit Doppeleinfamilienhäusern, angebautem Schopf und grossem Garten für die Selbstversorgung (2). Die von Gesellschaft zur Erstellung von billigem Wohnraum (GEbW) 1942 realisierten Häuser (Architekten Müller und Keller) war für kinderrreiche Familien gedacht. 1946 entstand auf der Weierhöhe eine weitere Siedlung mit gleicher Zielrichtung. Weil sie so weit von der Stadt entfernt lag, wurde sie in den folgenden Jahren mit einem Kindergarten ergänzt. Die Siedlung hat ihren ländlichen Habitus bis heute erhalten. Auf ihre Art ebenfalls am Gartenstadtgedanken orientierte sich die grossstädtische Wohnüberbauung Wingertli, die in den 1970er-Jahren entstand und umgeben ist von grosszügigen Grünflächen. Öffentliche Grünräume gibt es an der Kanzleistrasse (Quartierspielplatz) und in der Freizeitanlage Hölderli. Dank einer Volksinitiative erhalten geblieben ist der Schlittelhang beim Stockemer Hölzli, der ursprünglich überbaut werden sollte, und einem Vermächtnis ist ein kleiner hübscher Park mit Sitzbänken und einem Obstbaumgarten an der Landvogt-Waser-Strasse bei der GAIWO-Siedlung (3) zu verdanken.

1  Kirchhügel

Die stadtauswärts rechts der Tösstalstrasse auf dem Hügel gelegene reformierte Kirche von Seen stammt aus dem Jahr 1649, bereits in jener Zeit gehörte dazu auch ein Friedhof. Der schöne Pfarrhausgarten entstand erst 1961.

2  Siedlung Rotenbrunnen

Rotenbrunnenstrasse
Die Siedlung Rotenbrunnen mit ihren grossen Selbstversorgungsgärten liegt an idyllischer Lage am Krebsbach. Am Bachlauf entlang zieht sich eine Reihe von Säulenpappeln. Die Gärten wurden in der Zwischenzeit zum Teil überbaut.

3  Obstbaumgarten

Ecke Landvogt-Waser-Strasse / Grundstrasse
Dieser kleine Park mit Obstbäumen ist einer Privatinitiative zu verdanken. Die Seemerin Elisa Ida Weidmann hatte der Genossenschaft für Alters- und Invalidenwohnungen in Winterthur GAIWO ein grosses Stück Land an der Landvogt-Waser-Strasse geschenkt, um darauf eine Alterssiedlung mit Pflegewohngruppe und Spitex-Stützpunkt zu realisieren. Im Gegenzug musste sich die GAIWO verpflichten am östlichen Zipfel des Landes eine kleine Parkanlage mit einem Obstbaumgarten zu realisieren - im Gedenken an die frühere bäuerliche Nutzung des Gebietes.

Verschwenderische Landschaft und unterschiedlich intakte Weiler


Kiesgrube Ganzenbüel

Ein Naturschutzgebiet mit Ödland und Schlammbecken: die Kiesgrube Ganzenbüel.

Aussichtspunkt Sessel

Der Aussichtspunkt Sessel wird von einer mächtigen Linde dominiert.

Krebsbach

Der Krebsbach ist ein munteres Wald- und Wiesenbächlein mit einer reichen Ufervegetation, das in seiner Art in Winterthur einmalig ist.

Tösstalstrasse

Die Lindenallee entlang der Tösstalstrasse.

Hölderli Seen

Die Freizeitanlage mit Spielplatz im Hölderli schafft ein grosszügiges Gegengewicht zu den umliegenden dichten Blocküberbauungen.

Weierhöhe

Abseits des bebauten Gebietes gibt es in Seen noch viel Ländlichkeit. Die Siedlung auf der Weierhöhe ist nicht zuletzt dank ihrer Abgeschiedenheit eine intakte Oase mit eigenem Kindergarten geblieben.

Während das dicht bebaute Gebiet von Seen wenig Raum lässt für grüne Oasen, präsentiert sich die Landschaft an den Rändern umso grosszügiger und üppiger. Gleich hinter den letzten Häusern breiten sich Wälder, Felder und Wiesen aus, Kühe weiden und Traktoren durchpflügen die Äcker. 18 meist kleinstrukturierte Bauernbetriebe bewirtschaften das Land. Am westlichen und am östlichen Hang (4) von Seen gibt es entlang den Waldrändern schöne Aussichtspunkte und steigt man noch höher erreicht man ein meist über dem Nebel gelegenes Hochplateau mit prächtigen Aussichten auf Stadt und Alpen. Besonders attraktiv: der Hulmen (4) und der Sessel (5). Dazwischen liegen wie hingetupft die Weiler und Aussenwachten, wobei sich letztere zum Teil stark verändert haben. Insbesondere in Iberg und Gotzenwil greift die «Hüslipest» (Architekturkritiker Benedikt Loderer) um sich. In Ricketwil, Eidberg oder im Taa dagegen bewegt man sich noch in einem weitgehend intakten ländlichen Umfeld. Auf dem Spazierweg zwischen Oberseen und Ricketwil liegt das Naturschutzgebiet Sädelrain (6). Oberhalb von Ricketwil entspringt der munter sprudelnde Krebsbach (7). Er prägt auch die Aussenanlage des Schulhauses Oberseen (8). Im Ganzenbüel, auf der rechten Seite der Tösstalstrasse Richtung Sennhof, gibt es ein bedeutendes Naturschutzgebiet mit Ödland und Schlammbecken in einem weitläufigen Kiesgrubenareal.

4  Hulmen

Nördlich des Dorfes Eidberg liegt der Hulmen, mit 682 Metern der höchste Punkt der Stadt Winterthur. Dem Waldrand entlang führt ein Spazierweg mit herrlicher Aussicht auf die nähere und weitere Umgebung.

5  Sessel

Der südwestlich von Iberg gelegene Aussichtspunkt Sessel ist mir 595 Metern zwar nicht ganz so hoch wie der Hulmen, aber auch von hier aus geniesst man eine wunderschöne Aussicht bis zu den Alpen. Gekrönt wird der Ort durch eine mächtige, 140 bis 160 Jahre alte Winterlinde (Tilia cordata). Die Winterlinde hat rundliche, herzförmige und etwas kleinere Blätter, als die in Europa ebenfalls stark verbreitete Sommerlinde. Der im «Inventar der kommunalen und überkommunalen Natur- und Landschaftsschutzobjekte» verzeichnete Baum könnte, wenn die Umwelt mitspielt, gut noch einmal so alt werden.

6  Naturschutzgebiet Sädelrain

Das oberhalb von Oberseen etwas abseits der Ricketwilerstrasse gelegene Naturschutzgebiet Sädelrain besteht aus einer wertvollen Rietwiese und fünf kleineren Weihern. Entlang des Gebiets führt ein rund 3,4 km langer Naturlehrpfad. 16 Informationstafeln vermitteln Wissen zu Pflanzen und Tieren, zum Verhalten im Wald und zur Notwendigkeit von forstlichen Eingriffen zur Gewährleistung der Vielfalt des Waldes.

7  Krebsbach

Sein natürlich-mäandrierender Lauf macht den Krebsbach zu einem attraktiven Gewässer mit einer reichen Ufervegetation. Von Ricketwil herkommend, verläuft er in seinem oberen Teil durch den Wald und zeigt sich im Gebiet Oberseen als munterer Feld- und Wiesenbach. Er ist in seiner Art in Winterthur einmalig.

8  Anlage Schulhaus Oberseen

Die idyllische Umgebung des Schulhauses Oberseen ist von der Nähe zum Krebsbach und zum Wald geprägt. Der natürliche Bachlauf lädt zum Spielen ein, das Biotop zur Beobachtung von allerlei Lurchen und Vögeln. Auf der Südseite des Baches gibt es eine grosse Spielwiese, die zugleich auch Überschwemmungszone für den Krebsbach ist. Als ungezähmtes Gewässer hatte der Krebsbach 2007 nach starken Regenfällen das Schulareal überschwemmt. Entsprechend mussten Massnahmen ergriffen werden, um die Gebäude vor Hochwasser zu schützen.

Hulmen

Landschaftsgenuss pur und eine prächtige Aussicht beim Hulmen.

Naturschutzgebiet Sädelrain

Ein Naturlehrpfad führt durch das Naturschutzgebiet Sädelrain.

Krebsbach

Um die Schulhausanlage Oberseen bei Hochwasser vor dem Krebsbach zu schützen, wurde ein Überschwemmungsgebiet ausgeschieden, das zugleich auch Spielplatz ist.

Stockemer Hölzli

Einer Volksinitiative war es zu verdanken, dass der Schlittelhang beim Stockemer Hölzli nicht überbaut wurde.

Übersichtsplan Seen